Jahresarbeiten

In der achten Klasse sowie während der elften Klasse wählen sich die Schülerinnen und Schüler aus eigener Initiative ein Projekt, das handwerklicher, künstlerischer und wissenschaftlicher Natur sein kann. Über den Zeitraum eines ganzen Schuljahres begleitet sie diese Arbeit, die mit einer öffentlichen Präsentation zum Abschluss gebracht wird.

An Jahresarbeiten wird gelernt. Es ist ein Schritt ins Unbekannte. Die Vision wird zum Ziel, erscheint als Thema und mobilisiert Energien in Form von Fragen und Entwürfen. Was geradlinig erreichbar scheint, wird zum spiralförmig mäandernden Weg, bisweilen äußerst mühevoll. Aber das ist es: was hier gelernt wird, ist kein Fach, kein Stoff, es ist aktive Phantasie und Kreativität, auf neudeutsch: Problemlösungs- und Handlungskompetenz. Um diese Fähigkeiten der eigenen Persönlichkeit zu entwickeln, braucht es ein Klima, in dem man sich etwas zutraut, mit Gedanken spielt und Lösungen finden oder auch verwerfen kann. Eine Sache trotz Schwierigkeiten zu Ende führen zu können ist ein Merkmal kreativer Persönlichkeiten - im Rahmen der Jahresarbeiten hilft das feststehende Ziel, das keiner subjektiven Befindlichkeit weicht, die Krisen zu meistern.

An einer Aufgabe wie einer Jahresarbeit lernen Schülerinnen und Schüler exemplarisch. Das Feld, das es zu bearbeiten gilt, lässt sich austauschen, im Leben werden andere an seine Stelle treten. Aber die Hingabe an eine Sache, die Erfahrung von konzentrierter Energie auf ein Ziel hin, die sich bei einigen vielleicht auch erst in den letzten Wochen vor der Präsentation richtig entfaltet hat, bleibt als Grunderfahrung. Sie ist eine Art „Hürden-Training“ für kommende Aufgaben.