Bei uns haben künstlerische und handwerkliche Fächer den gleichen Stellenwert wie Mathematik oder Deutsch. Eurythmie – eine Art sichtbare Sprache – fördert Ausdruck, Bewegung und Achtsamkeit. Formenzeichnen schult das räumliche Vorstellungsvermögen und wirkt ordnend auf das Denken. Malen, Nähen, Stricken, Theaterspiel und Musik sind mehr als Zusatzfächer – sie sind Zugänge zur Welt und zur eigenen Kreativität. Sie machen Lernen lebendig, sinnlich und menschlich.
Formenzeichen
Spurensuche zwischen Linie, Rhythmus und Raum
Das Formenzeichnen ist ein eigenständiges Unterrichtsfach in der Waldorfpädagogik, mit dem sich die Kinder bereits ab der ersten Klasse im Rahmen des Epochenunterrichts beschäftigen. Es fördert Konzentration, Koordination und Raumorientierung – und wirkt harmonisierend auf das Denken und Fühlen. Durch das zeichnerische Nachvollziehen symmetrischer, rhythmischer und sich entwickelnder Formen entsteht innere Ordnung und äußere Klarheit.
Die Kinder erleben Formen nicht als fertige Objekte, sondern als Bewegung im Raum. Kreis, Spirale, Welle oder Kreuz wachsen aus der Linie heraus und fordern zugleich Präzision und künstlerischen Ausdruck. Das Formenzeichnen schafft Grundlagen für Schreiben, Geometrie, Körperbewusstsein – und stärkt die Verbindung von Wahrnehmung und Gestaltungskraft.


Eurythmie
Denken, Fühlen und Wollen im Kind durch rhythmische Bewegung miteinander verbinden – innere Lebendigkeit und schöpferische Kraft im Raum
Die Eurythmie ist ein für Waldorfschulen spezifisches Unterrichtsfach. Sie wird von der ersten bis zu zwölften Klasse unterrichtet und ist eine Bewegungskunst die von Rudolf Steiner zu Beginn des 20. Jahrhunderts entwickelt wurde. Auf der künstlerischen Ebene ist ihr Ziel Sprache und Musik sichtbar zu machen. Bewegungen spiegeln Lautsprache oder musikalische Elemente wider. Auf pädagogischer Ebene fördert sie Koordination, Konzentration, sozialies Miteinander und seelisches Gleichgewicht.
Heileurythmie
Gefühle formen. Spannungen lösen. In der Bewegung heilen.
Unsere Schule arbeitet im Sinne der Waldorfpädagogik ganzheitlich und versucht im Unterricht sowie im pädagogischen Umgang mit den Kindern, die gesunde Entwicklung der Kinder zu unterstützen. Die künstlerische Gestaltung des Unterrichtes, der Waldorflehrplan, der ständige Blick auf das einzelne Kind sind hier wichtige Elemente, um den Einklang zwischen Körper, Seele und Geist immer wieder neu herzustellen.
Manche Kinder benötigen in bestimmten Phasen ihrer Entwicklung eine intensivere Betreuung, da sie z.B. Konzentrationsprobleme, Schlafstörungen oder weitere Verhaltensauffälligkeiten bis hin zu Krankheitssymptomen entwickeln. Über die Heileurythmie haben wir die Möglichkeit, diese Kinder dabei zu unterstützen, zu sich zu kommen und ihr inneres Gleichgewicht wiederherzustellen. Das wirkt sich letztlich immer auch förderlich auf die Lernatmosphäre in den Klassen aus.
Musik
Eine Sprache, die verbindet
„Singen ist die eigentliche Muttersprache des Menschen.“ – Dieser Satz von Yehudi Menuhin ist für uns gelebte Wirklichkeit. Musik begleitet unsere Schüler:innen vom ersten Schultag an bis in die 12. Klasse – nicht nur im Musikunterricht, sondern auch im Haupt- und Fremdsprachenunterricht, im Chor, im Orchester und in zahlreichen gemeinsamen Aufführungen.
Zwei große Konzerte im Jahr, intensive Probewochen, Werke aus Klassik, Volksmusik und Popkultur – die Musik an unserer Schule ist lebendig, vielseitig und verbindend. In der Oberstufe begeben sich die Jugendlichen auf eine musikalische Reise durch die Epochen – bis hin zur Musik des 21. Jahrhunderts.

Musik ist mehr als ein Fach
– sie ist Ausdruck, Gemeinschaft, Entwicklung.
Schon unsere Jüngsten singen, spielen und musizieren miteinander – ganz selbstverständlich und mit Freude. Schon in der Unterstufe entstehen Klassenorchester und Chöre, die in der Mittelstufe und Oberstufe zu eindrucksvollen Ensembles heranwachsen. Alle Schüler:innen sind dabei. Niemand wird ausgeschlossen, denn jeder Mensch kann lernen, sich in die Ordnung der Musik einzufügen – und dabei über sich hinauszuwachsen.
Dass Musik so viel mehr ist als nur schöner Klang, hat die Forschung längst bestätigt: Gemeinsames Musizieren stärkt soziale Kompetenzen, fördert Intelligenz, Kreativität und Konzentration – und lässt junge Menschen in sich selbst ruhen. In der Musik lernen unsere Schüler:innen aufeinander zu hören, sich aufeinander einzustellen – und miteinander Großes zu schaffen.
Instrumentalunterricht
Von Altblockflöte bis Zugposaune
Da die Schule großen Wert auf die musikalische Ausbildung der Kinder und Jugendlichen legt, ist über viele Jahre eine lockere Zusammenarbeit mit Instrumentallehrerinnen und -lehrern gewachsen, die nach dem Schulunterricht die Räume für privaten Instrumentalunterricht nutzen können. Das pädagogische und inhaltliche Konzept ist dabei nicht von außen vorgegeben, sondern entsteht jeweils aus den Absprachen zwischen der jeweiligen Lehrkraft und den Schülern bzw. Eltern. So kann ein breites Angebot den unterschiedlichsten Bedürfnissen der jungen Instrumentalisten gerecht werden.

Schauspiel
Vorhang auf für Mut, Gemeinschaft und Ausdruck
Das Theater lernen unsere Schüler bereits an ihrem ersten Schultag kennen: wenn sie nach dem Aufrufen ihres Namens durch die Blumengirlande auf die Bühne schreiten und dort zum ersten Mal auf ihre Klassenkameraden und ihre Klassenlehrerin bzw. ihren Klassenlehrer treffen. Dann folgen Konzerte ebenso wie Monatsfeiern, an denen die Kinder Inhalte aus dem Unterricht präsentieren.
Mit dem 8.- und 12.-Klassspiel wird dann erstmals ein abendfüllendes Stück aufgeführt. Wie kein anderes Schulprojekt schult das Klassenspiel in vielen Bereichen – das Rollenlernen erfordert Konzentration, Kostüme, Kulissen, Requisiten, Plakate müssen entworfen und hergestellt werden, Programmheft und Pressemitteilung setzen den Zeitrahmen, in dem alles fertigwerden muss. Viele Tugenden wie Umsicht, Verantwortung, Verbindlichkeit, Vorausschau kommen dabei zum Tragen.